Naemi-Wilke-Stift Guben
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Jun04

Radikalisierung in der Pandemie - auch ein Thema im Naemi-Wilke-Stift

Veröffentlicht: 04. Juni 2021

Foto: NWS

Die Stimmung ist gereizt, eine vernünftige Diskussion ist kaum noch möglich. „Corona“ polarisiert im eigenen Bekanntenkreis und auch am Arbeitsplatz. Mitarbeitende des Naemi-Wilke-Stiftes nutzten am vergangenen Dienstag, 1. Juni, die Möglichkeit, sich über Entwicklungen und eigene Handlungsmöglichkeiten zu informieren, um trotz gegenteiliger Meinungen noch vernünftig miteinander umgehen zu können.

Zwei Referierende von „Demos – Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung“ machten am Beispiel der Diskussion um Impfungen Entwicklungen in der Bevölkerung deutlich. Rund 79 Prozent stünden Impfungen generell positiv gegenüber, nur 4 Prozent lehnten Impfungen generell ab.

Diese kleine Gruppe sei allerdings in den sozialen Medien sehr präsent, so dass der Eindruck entstünde, sie seien eine weitaus größere Gruppe. Ein Teil dieser kleinen Gruppe hätte sich jetzt radikalisiert und würde gezielt Falschinformationen verbreiten. Dazu nutzten sie die sozialen Medien, mischten sich unter friedliche Demonstranten oder initiierten „Runde Tische“.

Mit Halbwahrheiten sowie der Vermischung von Legenden und Fakten erreichen sie eine Verunsicherung unter den Menschen. In einer komplexen immer unübersichtlicher werdenden Welt suchten viele Menschen nach einfachen Erklärungen, die ihnen dann in Form von „Verschwörungstheorien“ geliefert würden.  

Der Umgang miteinander ist schwierig, wenn die Meinungen kaum noch vereinbar scheinen. Auch Mitarbeitende des Naemi-Wilke-Stifts erleben problematische Situationen.

Wie soll eine Schwester, die tagtäglich an Covid-19 erkrankte Patienten pflegt, darauf reagieren, wenn im Bekanntenkreis die Krankheit als Verschwörung böser Mächte verstanden wird? Wie argumentiert der für die Impfungen zuständige Arzt, wenn jemand meint, ihm werde mit der Impfung ein Chip eingepflanzt?

Mit Argumenten wollen manche nicht erreicht werden. Dennoch gibt es immer wieder einige, die sich von wissenschaftlich fundierten Argumenten überzeugen lassen.  

Die beiden Referierenden von „Demos“ hielten kein Patentrezept parat, jedoch den Ratschlag, trotz aller Differenzen miteinander im Gespräch zu bleiben. Es sei wichtig, Gemeinsamkeiten zu suchen, statt die Gegensätze zu betonen und Mitgefühl für das, was die andere Seite frustriert, zu zeigen. Auch wenn es schwer fällt, sollte man die Gespräche nicht im Streit eskalieren lassen.