Naemi-Wilke-Stift Guben
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Naemi-Wilke Stift Guben
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Gedenken an die Deportation behinderter Frauen aus dem Naemi Wilke-Stift Gemeinsame Andacht mit den Auszubildenden unserer Schule

Veröffentlicht: 01. Juni 2018

Gedenkandacht mit den Schülerinnen am 30.05.2018

Vor 78 Jahren sind am 30. Mai die „Grauen Busse“ vor dem Naemi-Wilke-Stift aufgefahren. 32 behinderte junge Frauen sind damals aus ihrer behüteten Umgebung im Stift abtransportiert worden in die staatliche Landesheil- und Pflegeanstalt nach Brandenburg.

Heute wissen wir, dass dort weder geheilt noch gepflegt wurde, sondern dass diese Einrichtung eine der sechs Tötungsstellen im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms war.  

2006 hat die Stiftung für neun dieser Opfer, von denen Patientenakten vorlagen, Stolpersteine verlegen lassen von Gunter Demnig. Er ist der Schöpfer des europaweit größten Flächendenkmals zu Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus. Heute liegen ca. 61.000 solcher Stolpersteine in ganz Europa.  

Aus anderem Grund, aber nicht weniger schrecklich, ist die Diakonisse Maria Oppenheimer diesem Vernichtungswahn anheimgefallen. Sie stammte aus Schwedt an der Oder, wo ihr Vater Oberlehrer und später Professor gewesen ist. Die Familie jüdischer Abstammung war zum Christentum konvertiert. Sie hatte sich entschlossen, in die Diakonissen-Schwesternschaft des Naemi-Wilke-Stiftes einzutreten. 1935 ist sie eingesegnet worden.  

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann unmittelbar auch die Beseitigung von jüdischen Mitbürgern aus dem öffentlichen Leben. Maria Oppenheimer erfuhr das, indem sie auf der Außenstelle des Naemi-Wilke-Stiftes im staatlichen Wettin-Stift in Coswig bei Dresden nicht mehr arbeiten durfte. Ihr Schutzraum war noch für wenige Jahre das Diakonissenmutterhaus in Guben. Aber auch hier durfte sie nicht in der Pflege und auch nicht in der Küche arbeiten, sondern einsam in der Nähstube und in der Gartenarbeit. Der nationalsozialistische Staat machte auch vor einer eingesegneten Diakonisse nicht halt.  

Als sie 1941 die Auflage erhielt, nun auch den Judenstern tragen zu müssen, hat sie sich entschlossen ihre Diakonissentracht abzulegen und damit aus der Schwesternschaft auszutreten. Alle Versuche der damaligen Stiftsleitung über den Provinzialausschuss der Inneren Mission eine Änderung zu erreichen, schlugen fehl. Ihr Abschiedsbrief ist in der Personalakte bis heute erhalten und ist ein berückendes Zeugnis der Hilflosigkeit und Trauer.  

Maria ist zu ihren Eltern nach Schwedt zurückgekehrt, wurde in Schlesien in einer Pflegeeinrichtung des Staates eingesetzt und später ins Warschauer Getto deportiert. Dort ist sie zu unbekannter Zeit ums Leben gekommen. Auch für sie liegt im Naemi- Wilke-Stift ein eigener Stolperstein.   Mit den Auszubildenden der Schule für Gesundheits- und Krankenpflegehilfe ist die jährliche Gedenken Andacht an die Opfer dieses nationalsozialistischen Terrors vorbereitet worden. Die Schüler haben die Hintergründe des Euthanasieprogramms recherchiert und vorgetragen.  

P. Süß hat als Rektor der Einrichtung unter dem Wochenspruch der Woche nach dem Sonntag Trinitatis aus Jesaja 6, 3 die Schutzbedürftigkeit und Heiligkeit des Lebens betont: „Die Heiligkeit Gottes widerspiegelt sich in der Heiligkeit des menschlichen Lebens. Der Mensch ist wenig niedriger gemacht als Gott, wie es im Psalm 8 heißt. Daraus erwächst für uns die Verpflichtung, mit dem menschlichen Leben sorgsam umzugehen. Jedes Leben egal mit welcher Abstammung oder mit welcher Erkrankung ist heilig. Wer menschliches Leben antastet und es aus welchen Gründen auch immer vom Leben ausgrenzt, vergeht sich an der Heiligkeit des Lebens.“