Naemi-Wilke-Stift Guben
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Naemi-Wilke Stift Guben
Sep28

Präsident Ulrich Lilie zu Gast im Stift - Vortrag zu "Reformation und Soziales"

Veröffentlicht: 28. September 2017
 

Pfr. Ulrich Lilie erhält eine hölzerne Lutherrose als Geschenk

Der Ökumenische Stadtkonvent Guben, der Zusammenschluss aller christlichen Kirchen in dieser Stadt, hat anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 eine Vortragsreihe zur Wirkungsgeschichte der Reformation initiiert. Am vergangenen Mittwoch, 27.09.2017, referierte Pfr. Ulrich Lilie (Berlin) im Weiten Raum des Naemi-Wilke-Stifts zum Thema „Reformation und Soziales“. Pfr. Lilie ist Präsident der Diakonie Deutschland und zugleich der Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung.  

Die Reformation ist ein Prozess, der vieles in Bewegung brachte – vor allem und auch im sozialen Bereich, erläuterte Pfr. Lilie vor interessierten Zuhörern. Die Menschen damals suchten Antworten auf Fragen, die sie bewegten. Ihre Welt war weit und unsicher geworden. Kolumbus hatte Amerika entdeckt, die Osmanen drangen bis Wien vor, ein öffentliches Bankenwesen entstand, ganze Bevölkerungsgruppen verarmten. Die 95 Thesen Luthers waren eine neue Form der Freiheit, bedeuteten aber auch Verantwortung. Wer arbeiten kann, der soll arbeiten. Armut galt nun nicht mehr als unveränderliches, gottgegebenes Schicksal, sondern als ein Zustand, der verändert werden kann. Ziel war es, die Menschen aus der Armut zu befreien, indem sie Zugang zu Bildung erhielten. Jedes Kind – auch die Mädchen – sollten zur Schule gehen können. Handwerker erhielten zinsgünstige Kredite, um sich eine Existenz aufbauen zu können.  

Wer allerdings nicht in der Lage war, sich selbst zu versorgen, der erhielt nun staatliche Fürsorge. Die Bedürftigen wurden in Registern erfasst – eine Bürokratisierung der Hilfe bahnte sich an. Das Bedeutsame der Entwicklung war die Übertragung der sozialen Verantwortung auf den Staat. Jahrhunderte später zeigte sich, dass der Staat nicht alle Bedürftigen adäquat versorgen konnte, und so widmete sich die Kirche wieder vermehrt fürsorgerischen Aufgaben. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich mit dem Namen der „Inneren Mission“ der Vorläufer des Diakonischen Werkes u.a. durch die Diakonissenmutterhäuser.  

Alles in allem ebneten die Reformatoren in Wittenberg, Zürich und Genf den Weg für den modernen Sozialstaat, wie wir ihn heute kennen. So das Fazit des Referenten Pfr. Ulrich Lilie.  

Die nächste Veranstaltung der Vortragsreihe findet am Mittwoch, 18. Oktober, 19 Uhr, im Fabrik e.V. statt. Pfarrer i.R. Mathias Berndt, Guben, befasst sich mit dem Thema: „Reformation und Guben“. Eingeladen sind alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Guben und darüber hinaus. Der Eintritt ist frei. Für die Kosten der Veranstaltung wird am Ausgang nach Möglichkeit um eine Spende gebeten.