Naemi-Wilke-Stift Guben
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Naemi-Wilke Stift Guben
Mai09

Hygiene-Kampagne des Evangelischen Krankenhausverbandes

Veröffentlicht: 09. Mai 2017
 

Frau Dr. Bühling, Hygieneärztin aus Cottbus und Cornelia Krainz, Hygienefachkraft im Naemi-Wilke-Stift

In den Krankenhäusern der Diakonie in Berlin und Brandenburg gibt es eine Vielzahl von Initiativen zur Sicherung und Verbesserung der Hygiene. Teil 9 der Serie stellt eine Initiative des Naemi-Wilke-Stiftes dar:

Herr Z. soll demnächst zur Implantation einer künstlichen Hüfte in das Krankenhaus Naemi-Wilke-Stift aufgenommen werden. Seine Tochter, Frau R., fragt im Vorfeld der stationären Aufnahme:

Wie ist das eigentlich bei Ihnen mit der Hygiene? Es wird so oft von den Infektionsgefahren im Krankenhaus berichtet. Muss ich mir Sorgen machen, dass mein Vater im Zusammenhang mit der OP  eine Infektion erleidet? Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrem Krankenhaus diesbezüglich?

Von der Hygieneschwester erfährt Frau R.: Im Naemi- Wilke- Stift tun wir sehr viel dafür, die Keime in Schach zu halten. Ein ganzes Maßnahmenpaket wirkt als Barriere gegen die Ausbreitung krankmachender Erreger. Eine 100%-ige Garantie gibt es leider nicht, aber seit Jahren erfassen wir postoperative Wundinfektionen, ermitteln die Infektionsrate nach bestimmten Operationen (z. B. nach Hüftoperationen wie bei Ihrem Vater) und vergleichen die Ergebnisse mit den Daten des Nationalen Referenzzentrums in Berlin. Weil die Entstehung von Wundinfektionen ein komplexer Vorgang ist und viele Faktoren eine Rolle spielen, spiegelt eine niedrige Rate gleichzeitig ein insgesamt gutes Hygieneniveau wider.

Stecken sich bei Ihnen viele Patienten mit dem gefährlichen MRSA**-Keim an? (**Methicillin- resistenter Staphylococcus aureus)

Nein, unsere Rate an im Krankenhaus erworbenen, sog. nosokomialen, MRSA- Besiedlungen ist sehr gering.  Im Rahmen der Mitarbeit im Netzwerk gegen multiresistente Erreger (MRE-Netzwerk Südbrandenburg) ergab sich für unser Krankenhaus schon vor Jahren die Möglichkeit, an einer wissenschaftlichen Untersuchung des MRSA- Aufkommens (Prävalenz) teilzunehmen. Dabei wurde auch geprüft, welche Patienten in unserer Region ein besonders hohes Risiko für eine Besiedlung mit MRSA haben. Die so ermittelten Risikofaktoren bilden die Grundlage unseres MRSA- Screenings. Dazu wird bei Aufnahme in das Krankenhaus aus dem Nasen-Rachen-Raum ein Abstrich gewonnen, der im Labor mikrobiologisch untersucht wird. Die Anzahl von Patienten, bei denen so MRSA gefunden wurde (mitgebrachte Fälle), blieb relativ konstant. Zum Schutz der Mitpatienten werden diese Patienten isoliert und es wird entsprechend der ärztlichen Anordnung mit der „Dekolonisierung“ begonnen. Besonders glücklich sind wir darüber, in den letzten Jahren keinen nosokomialen MRSA- Fall festgestellt zu haben.

Prima! Als ich selbst 2016 Patientin war, haben Sie den Schwestern bei ihrer Arbeit zugeschaut und die Händedesinfektionen gezählt.

Ja, das waren Compliance- Beobachtungen. Sie dienen der Bewertung der durchgeführten Händedesinfektionen. Von der WHO wurde definiert, in welchen Situationen eine Händedesinfektion stattzufinden hat, um Infektionsketten zu unterbrechen. Unsere Mitarbeitenden sind dafür sehr sensibilisiert worden; die internen Vorschriften werden gut umgesetzt. Es stehen immer wieder Schulungen und Fortbildungen auf dem Programm, um die Wertigkeit der Händehygiene zu unterstreichen oder die Umsetzung im jeweiligen Bereich weiter zu verbessern. Schließlich ist die Desinfektion der Hände die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung von Infektionen.

Ja, das gibt mir als Patientin ein sichereres Gefühl. Ich finde es gut, wenn auch die Ärzte sich vor jedem Patientenkontakt und danach die Hände desinfizieren. Für wen sind die Spender auf dem Stationsflur?

Die sind vor allem für Besucher gedacht. Zum einen sollen keine mitgebrachten Keime zu den Patienten gelangen und zum anderen natürlich die unter Umständen vorhandenen Krankenhauskeime nicht mit nach Hause genommen oder im restlichen Krankenhaus verteilt werden. Sie haben bestimmt beobachtet, dass die Spender sehr gut genutzt werden; jeder möchte seinen Angehörigen zusätzliche Belastungen ersparen.

Was sollte mein Vater berücksichtigen? Kann er auch selbst etwas tun?

Gerade bei geplanten Eingriffen können auch die Patienten selbst viel für ihre Genesung tun. Natürlich lassen sich manche Risikofaktoren für Infektionen nicht beseitigen (z.B. chronische Krankheiten, wie Diabetes), aber es ist bewiesen, dass Wundinfektionen seltener auftreten, wenn die Patienten in einem guten Ernährungszustand in die Klinik kommen und keine weiteren infizierten Wunden aufweisen (abgeschlossene Zahnsanierung), Raucher mind. 30 Tage vor der OP auf das Rauchen verzichten und übergewichtige Menschen (BMI> 40) langfristig ihr Gewicht reduzieren. Bei Diabetikern sollte der Blutzuckerspiegel gut eingestellt sein.

Müssen Antibiotika unbedingt verordnet werden?

Bei bestimmten Operationen, wie gerade auch bei der Implantation künstlicher Gelenke, ist es Standard, dass bei OP- Beginn prophylaktisch Antibiotika verabreicht werden, um das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren. Diese Gabe ist in der Regel einmalig und entspricht den Empfehlungen der Fachgesellschaften und unserer Antibiotika-Leitlinie.

Davon habe ich schon mal gehört.Was ist eigentlich darunter zu verstehen?

Antibiotika sind ein Segen. Ihr Nutzen kann sich aber auch ins Gegenteil verkehren; dann wirken die Mittel nicht mehr, weil die Erreger „resistent“ geworden sind. Deshalb dürfen diese Medikamente nur streng indiziert verordnet werden, möglichst unter Berücksichtigung des örtlichen „Keimspektrums“. Gemeinsam mit unserer beratenden Hygienikerin und Mikrobiologin wurde unter Einbeziehung der Erreger- und Resistenzdaten in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen und unserer versorgenden Apotheke eine Antibiotika-Therapie-Leitlinie erstellt, die Anfang 2016 im Rahmen einer Fortbildung vorgestellt wurde. Alle Ärzte erhielten ein Exemplar in Taschenformat. Die Umsetzung dieser Leitlinie wird jährlich überprüft. Seit wir uns mit diesem Thema eingehender beschäftigen, ist der Antibiotika-Verbrauch in unserem Krankenhaus kontinuierlich zurückgegangen.

Das klingt ganz schön aufwendig. Auf dem Aushang wurde über eine Hygiene- Fortbildung im Mai informiert. Wie oft gibt es bei Ihnen diese Angebote?

Pro Jahr werden mindestens 2 Fortbildungen zu Themen der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention angeboten. In Absprache mit den Hygienebeauftragten wählen wir unsere Referenten und Sachgebiete aus. Auch neue Empfehlungen des Robert- Koch- Institutes werden auf diesem Weg vermittelt. Außerdem werden vom Hygienepersonal Schulungen und Workshops in den Abteilungen durchgeführt. Dabei können ggf. Auffälligkeiten direkt angesprochen und gemeinsam Lösungen entwickelt werden. Hygiene ist nämlich kein Selbstläufer, sie muss immer wieder gelebt und ihr Stellenwert allen bewusst gemacht werden. Die Herausgabe eines „Hygiene- Newsletters“, aber auch die regelmäßigen Treffen des Hygienezirkels der 13 Hygienebeauftragten in der Pflege ergänzen die Informationsangebote für das Personal.

Werden Ihre Bemühungen denn von der Leitung des Krankenhauses unterstützt?

Sie sprechen da eine wichtige Voraussetzung an. Bei uns werden Hygiene und Infektionsprävention auch von der Krankenhausleitung gefördert, was sich z.B. in einer aktiven Mitarbeit in der Hygienekommission äußert oder in konstruktiver Lösungssuche bei auftretenden Problemen.

Jetzt weiß ich, dass mein Vater hier auch im Hinblick auf die Hygiene in den besten Händen ist, vielen Dank!